FDP.Die Liberalen
Kloten
Ortspartei Kloten
28.11.2019

Gemeinderat-Kolumne Andreas Keller

Die Wahrnehmung und die Fakten sprechen oft eine andere Sprache

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu. Sie sind sicherlich entweder langsam in Weihnachtsstimmung oder im Vorweihnachtsstress, denn bald steht Weihnachten vor der Tür. Zeit, um sich Zeit für sich und seine Liebsten zu nehmen. Zeit, um einen Blick zurück zu werfen.

Im Jahr 2019 war politisch einiges los. Folgende Themen haben den Gemeinderat unteranderem beschäftigt: der Ersatzneubau des 2. Eisfeldes, die Jahresrechnung 2018, die Gemeindeordnung (Verfassung von Kloten), die Volksinitiative „Wohnen für alle“ und einige Postulate und Motionen. Aber auch die National- und Ständeratswahlen waren dieses Jahr grosses Thema. Für die FDP waren es zwar keine Erfolgswahlen, aber auch keine Katastrophe. Auf nationaler Ebene haben wir 1.3 % verloren und auf kantonaler Ebene 1.66 %. Was mich und meine Fraktion aber sehr freut, ist das Resultat in Kloten. Hier hat die FDP 1.02 % zugelegt. Es zeigt, dass wir FDP’ler wohl eine Politik betreiben, die den Klotenerinnen und Klotener passt. Vielen herzlichen Dank für Ihre Stimme!

Nun möchte ich aber auf ein Thema kommen, welches Sie im 2020 noch beschäftigen wird; die Initiative „Wohnen für alle“. Diese tönt vielversprechend, bis man genauer hinschaut. Hier ein paar Fakten und Gedanken:

Die Initiative „Wohnen für alle“ suggeriert, dass das Wohnen in Kloten teuer sei. Die Fakten hingegen, sprechen eine andere Sprache.

Das Immobilienberatungsunternehmen Wüest & Partner hat in den Jahren 2016 und 2017 für den Tages-Anzeiger eine Untersuchung im Kanton Zürich durchgeführt. Hier zeigt sich, dass rund 47 % der 3 – 3.5 Zimmer-Wohnungen in Kloten unter 1’500 CHF exkl. Nebenkosten angeboten werden. In vergleichbaren Städten wie Uster oder Bülach gibt es Prozentual viel weniger günstigen Wohnraum.

Es ist wichtig, dass Wohnungen in allen Preissegmenten angeboten werden. Dies für die soziale Durchmischung, aber auch aus finanzpolitischen Risikoüberlegungen. Obwohl die Anzahl Einwohner in Kloten ständig wächst, bleibt der Steuerertrag von natürlichen Personen seit Jahren auf nahezu stabilem Niveau. So betrug das Bevölkerungswachstum in den letzten 9 Jahren rund 11 %, die Steuererträge von natürlichen Personen betrugen jedoch im Jahr 2011 bereits 38 Mio. wie auch heute. Die Steuererträge von juristischen Personen sind allerdings von knapp 80 Mio. auf 122 Mio. gestiegen. Dies zeigt, dass vermehrt Personen mit tieferem Einkommen nach Kloten ziehen. 2018 wurden bereits fast 70 % der Steuererträge durch juristische Personen bezahlt. Dieses Klumpenrisiko gilt es zu reduzieren.

Ein weiterer Punkt der gegen diese Initiative spricht, ist auch ein ökologischer:

Viele Liegenschaften in Kloten weisen eine alte Bausubstanz auf. Eine Modernisierung mittels Ersatzneubauten oder soweit sinnvoll mittels Sanierungen würde sich positiv auf die Energiebilanz auswirken, jedoch würden die Mieten steigen, was die Quote der „günstigen“ Wohnungen reduzieren würde. Infolge dessen wird an der alten Bausubstanz festgehalten und es wird nicht oder weniger investiert. In Kloten wird jedoch heute schon verhältnismässig „wenig“ gebaut. Auch hier unterscheiden sich die Fakten, von dem was man so hört. „Überall in Kloten wird gebaut“, ist eine Aussage, die man häufig hört. Fakt ist, dass in den letzten 5 Jahren die Bautätigkeit in Kloten etwa halb so gross war wie in den umliegenden Gemeinden!

Wir haben in Kloten einen sehr tiefen Leerwohnungsstand. Wir brauchen mehr Wohnungen. Der Markt von Angebot und Nachfrage muss spielen. Wenn es genügend Wohnungen hat, steigen die Preise weniger oder sinken sogar.

„Wohnen für alle“, tönt super, bis man sich mit den Fakten vertraut macht. Die Annahme dieser Initiative wäre für Kloten ein grosser Rückschritt.

Gemeinderat

Andreas Keller